Übertragbarkeit der Maduro-Strategie auf Iran
Eine analytische Einschätzung
Die Frage stellt sich, ob die Vorgehensweise gegenüber der Regierung Maduro auch auf den Iran übertragbar ist. Die Analyse der aktuellen Lage zeigt, dass mehrere zentrale Faktoren hier entscheidend sind.
Erstens ist der Zugang der Vereinigten Staaten zu Venezuela für schnelle, präzise Operationen deutlich einfacher als zu Iran. Iran hingegen schafft aufgrund seiner geographischen Ausdehnung und der Distanz zu externen Machtzentren ein komplexeres und kostspieligeres Umfeld für direkte Operationen. Wahrscheinlich würde ein vergleichbares Szenario zweistufig verlaufen: zunächst Luftoperationen gegen militärische und sicherheitsrelevante Einrichtungen, gefolgt von dem Einsatz von Schnell- und Eingreiftruppen. Dieses zweistufige Vorgehen reflektiert die geographische, sicherheitspolitische und strategische Tiefe Irans und erhöht die potenziellen Kosten einer Intervention signifikant.
Zweitens ist für die Legitimität und Wirksamkeit gleichzeitig das Zusammenwirken von drei Faktoren notwendig:
die anhaltende Präsenz der Bevölkerung auf den Straßen und die Fortführung von Protesten und Streiks,
das Abweichen, die Unterstützung oder zumindest die Neutralität der Militärkräfte,
koordinierte und organisierte Maßnahmen der nationalen Opposition.
Die anhaltende Mobilisierung der Bevölkerung ist entscheidend, um soziale Forderungen auf nationaler und internationaler Ebene zu artikulieren und eine dauerhafte Position gegenüber der bestehenden Machtstruktur zu wahren. Feldbeobachtungen deuten darauf hin, dass Teile der Sicherheits- und Militäreinheiten auf Repression vorbereitet sind oder bereits aktiv eingreifen, was die Schärfe der Krise für das Regime unterstreicht. Frühere Analysen zeigen, dass die jüngsten Proteste, sowohl spontane als auch gesteuerte, eine Form von Organisation aufweisen – abrupte Beginn- und Endpunkte, räumliche Verschiebungen und Wiedererlangung individueller Handlungsfähigkeit sind Hinweise auf solche Muster. Dies erhöht den Druck auf das herrschende System.
Hinsichtlich des zweiten Faktors zeigt die Erfahrung mit Madurо, dass der Erfolg einer Operation stark von der Kooperation, Rücknahme oder aktiven Neutralität der Schutz- und Sicherheitskräfte abhängt. Langfristige Planung, Ausschaltung der Schutzschichten und die Sicherstellung fehlender destruktiver Interventionen seitens militärischer Strukturen sind wesentliche Voraussetzungen. Ohne interne Unterstützung wäre die Durchführung eines solchen Szenarios praktisch unmöglich.
Für Iran ist dies ebenfalls analytisch relevant. In einem System, das strukturell und existenziell in der Krise steckt, kann Abweichung, Spaltung oder aktive Neutralität innerhalb der Streitkräfte den Verlauf der Entwicklungen erheblich erleichtern. Angesichts der bisherigen internen Operationen lassen sich Sicherheitslücken identifizieren und potenzielle militärische Spaltungen als zu prüfendes Szenario betrachten. Deren Eintritt kann Zeit und Kosten nachfolgender Entwicklungen reduzieren.
Der dritte Faktor betrifft die Rolle der Opposition. Die nationale Opposition muss die Forderungen der Gesellschaft formulieren, klare Handlungspläne entwickeln und sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Koordination herstellen. Wenn die drei genannten Faktoren simultan wirken und sich gegenseitig verstärken, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragbarkeit des genannten Szenarios auf Iran signifikant.
Zusammenfassend hängt die politische und gesellschaftliche Zukunft Irans wesentlich vom kollektiven Handeln seiner Bevölkerung ab. Alle analytischen Szenarien sind innerhalb dieses Rahmens zu bewerten.










