Irans Konstitutioneller Weg bis heute
In der neueren Geschichte Irans stellt die Konstitutionalbewegung den einzigen Bereich dar, der sich einer ideologischen Vereinnahmung durch die islamisch-marxistischen Strömungen der Revolution von 1979 sowie deren spätere Ableger weitgehend entzog. Diese Bewegungen fanden keinen Zugang zu ihr, da das Konzept der Konstitutionalität eine anspruchsvolle theoretische Durchdringung erfordert und sich einfachen agitatorischen Formeln oder eklektischen Mischideologien entzieht. Die Konstitution ist kein Material, das beliebig in ideologische Systeme integriert werden kann; sie besitzt einen eigenständigen normativen Charakter.
Die Konstitutionalrevolution leitete einen grundlegenden Statuswechsel ein: Die Iraner traten aus der Rolle der Untertanen heraus und wurden zu Rechtssubjekten. Dadurch eröffnete sich der Zugang zu neuen politischen und gesellschaftlichen Ordnungen, deren Kern der Rechtsbegriff bildet. Der Übergang zur Moderne vollzog sich hier primär über die Transformation des Rechts.
In diesem Sinne markierte die Konstitutionalbewegung einen entscheidenden Modernitätssprung Irans. Sie etablierte eine Ordnung, in der Individuen Träger einklagbarer Rechte sind. Moderne lässt sich somit als Veränderung und Neubestimmung der Rechtsordnung verstehen. Die aktuellen Proteste, die öffentlich geäußerten Forderungen und die dafür gebrachten Opfer stehen im Zeichen dieser verletzten und eingeforderten Rechte. Das, was Iran bevorsteht, kann als Fortführung und Vollendung des konstitutionellen Projekts verstanden werden, als Revolution im Namen des Rechts.










