Gewalt, Abtransport, Verschleierung
Gewalt, Abtransport, Verschleierung: Das Muster staatlicher Repression im Iran
Die landesweiten Proteste im Iran seit Ende 2025 treffen auf ein politisches System, das durch tiefen Legitimitätsverlust, die Erschöpfung seiner vermittelnden Strukturen, die geografische Ausdehnung der Proteste und die Radikalität der Forderungen stark unter Druck steht.
Vor diesem Hintergrund reagiert die Staatsmacht nicht mit begrenzten Sicherheitsmaßnahmen, sondern mit einer koordinierten, tödlichen Eskalation, die darauf abzielt, einen Zusammenbruch des bestehenden Kontrollsystems zu verhindern, statt nur Proteste zu unterdrücken.
Im Vergleich zu früheren Demonstrationen, bei denen Gewalt vor allem dazu diente, Versammlungen zu kontrollieren oder Demonstrierende einzuschüchtern, zeigt sich heute ein kombiniertes, mehrschichtiges Vorgehen, das über reine Unterdrückung hinausgeht: gezielte Schusswaffenangriffe im öffentlichen Raum, tödliche Attacken auf Verletzte während medizinischer Behandlung, Kommunikationsabschaltungen, digitale Überwachung, der Einsatz informeller Kräfte, systematische Reinigung von Tatorten und die Kontrolle über medizinische Räume. Dieses Vorgehen macht deutlich, dass die Gewalt nicht nur der Kontrolle dient, sondern auf physische Vernichtung, das Verschwinden von Beweisen und die Unterdrückung unabhängiger Dokumentation ausgerichtet ist.
Augenzeugen und medizinische Quellen berichten von gezielten Schüssen auf Kopf, Hals und Augen, häufig aus kurzer Distanz. Zahlreiche Verwundete mieden Krankenhäuser aus Angst vor Festnahme, wodurch die medizinische Dokumentation frühzeitig unterbrochen wurde. Leichname wurden teilweise noch mit medizinischen Schläuchen, Kathetern oder Verbänden gefunden, was darauf hindeutet, dass Betroffene während oder unmittelbar nach medizinischen Eingriffen ums Leben kamen. Ein dokumentierter Vorfall in Mashhad beschreibt, dass Sicherheitskräfte in ein Ambulanzfahrzeug eindrangen und dort alle Verletzten töteten, während Fahrer und medizinisches Personal bedroht wurden.
Darüber hinaus belegen Berichte, dass Leichname rasch aus Krankenhäusern und Leichenhallen abtransportiert wurden, häufig ohne Registrierung oder Benachrichtigung der Angehörigen. Überwachung vor Wohnhäusern, das Einsammeln persönlicher Gegenstände und die gezielte Entfernung von Beweismitteln erschwerten zusätzlich jede unabhängige Erfassung der Ereignisse.
In ihrer Gesamtheit zeigt sich ein Muster, das nicht nur auf physische Gewalt abzielt, sondern auf die Kontrolle von Körpern, Kommunikation, Erinnerung und überprüfbarer Wahrheit.
Gewalt und Spurenbeseitigung bilden eine integrierte Strategie, bei der der Staat gleichzeitig tötet, dokumentarische Spuren vernichtet und die Möglichkeit unabhängiger Kontrolle unterbindet.









