Die zukünftige nationale Sicherheit Irans
Die zukünftige nationale Sicherheit Irans – eine Initiative für den Frieden
Mit der Etablierung der Islamischen Republik infolge der Revolution von 1979 verkomplizierte sich die Friedensfrage in jenen Regionen, in denen Iran eine gestaltende Rolle einnimmt, insbesondere im Nahen und Mittleren Osten, erheblich. Zugleich wurden die Voraussetzungen für die Herstellung und nachhaltige Sicherung von Stabilität deutlich erschwert. Bis zu jenem politischen Umbruch hatte Iran eine wirksame und stabilisierende Funktion in der regionalen Sicherheitsarchitektur eingenommen. Die strategische Ausrichtung des iranischen Staates unter der Führung Mohammad Reza Schah Pahlavis beruhte auf den Prinzipien des Friedens, der kooperativen Koexistenz sowie dem Ausbau bilateraler und multilateraler Beziehungen – sowohl mit unmittelbaren Nachbarstaaten als auch mit Ländern ohne direkte Grenzverbindung. Diese Politik war von einem aktiven, ordnungspolitisch orientierten Regionalverständnis getragen.
Exemplarisch lässt sich die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Ägypten in den späten 1960er Jahren anführen, nachdem die aggressive und konfrontative Außenpolitik Gamal Abdel Nassers über ein Jahrzehnt hinweg zu erheblichen Spannungen geführt hatte. Mohammad Reza Schah ergriff frühzeitig die Initiative zur Normalisierung und Vertiefung der Beziehungen und unterstützte Ägypten zu Beginn der Präsidentschaft Anwar as-Sadats auch materiell und politisch bei der Bewältigung der wirtschaftlichen und militärischen Folgelasten der vorangegangenen Konfliktphase. Diese Phase konstruktiver Kooperation ist im kollektiven Gedächtnis Ägyptens nachhaltig verankert geblieben und entwickelte sich – ungeachtet späterer gegenläufiger Bestrebungen der Islamischen Republik– zu einem belastbaren historischen Bezugspunkt in den Beziehungen beider Nationen.
Ein weiteres Beispiel bildet das kontinuierliche Engagement Irans in den 1950er und 1960er Jahren gegenüber den Staaten des Persischen Golfs, darunter Saudi-Arabien, Kuwait, sowie die damaligen Scheichtümer der Region. Teheran setzte sich nachdrücklich für die Schaffung kooperativer regionaler Strukturen ein und ermutigte die Golfstaaten, ihre sicherheitspolitische Verantwortung eigenständig wahrzunehmen, anstatt sich dauerhaft auf externe Militärpräsenz zu stützen. Ziel war der Aufbau eines regional getragenen Sicherheitssystems zur Gewährleistung von Stabilität in einer für die globale Energieversorgung und wirtschaftliche Entwicklung strategisch zentrale Region. Die Resultate dieser Politik manifestierten sich über Jahre hinweg in relativer Stabilität und berechenbarer Sicherheitskooperation im Golfraum.

Das Ergebnis dieser Bemühungen war über Jahre hinweg die Etablierung von Frieden und nachhaltiger Sicherheit in dieser Region. Ein weiteres Beispiel stellt die Unterstützung des Schahs und der Regierung Irans für den Beitritt Omans zu jener Union dar sowie zuvor die Hilfeleistung für die monarchische Regierung dieses Landes bei der Niederschlagung der Dhofar Guerilla zu Beginn der 1960er Jahre. Diese Guerillabewegung hatte auf Anstiftung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Volksrepublik China mit dem Ziel der Abspaltung Dhofars einen blutigen Krieg entfacht.
Iran trug maßgeblich zu Beendigung des dreizehnjährigen kommunistischen Separationskrieges bei, indem es Truppen in das Scheichtum entsandte und so der sowjetisch-chinesischen Strategie einen Rückschlag versetzte. Parallel dazu wirkte Iran als Impulsgeber und Unterstützer grundlegender Reformen innerhalb des omanischen Sultanats. Bis heute betrachten sich die politischen Führungspersönlichkeiten dieses Landes als verpflichtet gegenüber der damaligen, aus ihrer Sicht weitsichtigen Unterstützung durch den Schah von Iran.
Wirtschaftliche Entwicklungsprogramme, militärische Verteidigungsabkommen, der Ausbau kultureller Beziehungen sowie die Vertiefung bilateraler und multilateraler Kooperationen in den Diensten der Entwicklung und des Fortschritts der gesamten Region bildeten zentrale Elemente jener friedensorientierten Politik und Strategie Irans unter der Führung Mohammad Reza Schah Pahlavis. Dazu gehörte unter anderem das Vorhaben einer durchgehenden Eisenbahnverbindung von Pakistan über die Türkei bis Mitteleuropa und weiter bis nach Großbritannien, das neben zahlreichen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungsinitiativen sowohl als direktes Ergebnis als auch als indirekte Folge des Verteidigungsbündnisses CENTO verstanden werden kann. Iran spielte dabei eine außerordentlich aktive und gewichtige Rolle, insbesondere bei der Überzeugung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, in dieses Bündnis sowie in dessen wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungsdimensionen zu investieren.
Die Regierung jenes Monarchen war im Wesentlichen in der Lage, durch friedliche und freundschaftliche Verhandlungen, durch Kooperation und den Abschluss von Abkommen sowie, sofern erforderlich und unvermeidbar, durch den Einsatz staatlicher Autorität und die Demonstration militärischer Handlungsfähigkeit deutlich zu machen, dass weder irgendjemand imstande sei noch es im Interesse eines Staates liege, die Sicherheit seines eigenen Landes oder der Region zu destabilisieren. Zugleich gelang es ihr, eine tiefgreifende strukturelle Verbindung zwischen der nationalen Sicherheit Irans und dem regionalen Frieden herzustellen, dergestalt, dass eine Beeinträchtigung der Sicherheit Irans zwangsläufig zu Chaos und zur Ausweitung kriegerischer Dynamiken in der Region geführt hätte.
Iran fungierte zu jener Zeit als Garant von Sicherheit und Frieden in der Region. Die Auseinandersetzung Irans mit dem Baath Regime um den Schatt al Arab stellt ein exemplarisches Beispiel für die Friedensorientierung und das Bestreben Irans dar, die regionale Stabilität zu wahren. Das vom Panarabismus geprägte Machtstreben des Baath Regimes zielte darauf ab, die Sicherheit Irans sowie seine südlichen Grenzen zu destabilisieren. Durch die Bemühungen der Regierung Pahlavi scheiterte jedoch diese ideologische Agenda. Letztlich mündete dieses gescheiterte Vorhaben, ohne Krieg und Blutvergießen, infolge der Machtposition und der politischen Weitsicht des Schahs von Iran im Abkommen von Algier. Dieses Abkommen wurde zu einem Zeitpunkt geschlossen, in dem Iran durchaus in der Lage gewesen wäre, dem Baath Regime erheblich schwerere Schläge zu versetzen und dessen staatliche Sicherheit auf Jahre hinaus substanziell zu beeinträchtigen. Doch das friedensorientierte Selbstverständnis und die hohe Priorität, die Mohammad Reza Schah der regionalen Stabilität beimaß, führten zum Abschluss des Abkommens von Algier, dessen Konsequenz eine Phase der Kooperation sowie die Etablierung geordneter sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Iran und Irak war.
Eine weitere Dimension der auf Frieden, Sicherheit und Entwicklung ausgerichteten Strategie des iranischen Staates in den Jahrzehnten der Herrschaft Mohammad Reza Schahs bestand in der Pflege freundschaftlicher Beziehungen sowohl zum Westen und zu den Vereinigten Staaten als auch zur Sowjetunion und zu den übrigen sozialistischen Staaten Osteuropas. Im Rahmen verschiedener Projekte nutzte Mohammad Reza Schah diese ausgewogenen Beziehungen zu beiden Machtblöcken nicht nur zum Vorteil Irans, sondern trug zugleich zur Herstellung eines regionalen Gleichgewichts bei. Als nach dem Zweiten Weltkrieg verlässlicher Verbündeter der Vereinigten Staaten in der Region setzte er sich entschlossen gegen die Ausweitung kommunistischen Einflusses ein. Schrittweise entwickelte er sich zu einem maßgeblichen politischen, diplomatischen, wirtschaftlichen und auch militärischen Faktor bei der Sicherstellung des Erfolges strategischer Konzepte zur Eindämmung dieses Einflusses sowie bei der Umsetzung von Vorhaben zur Gewährleistung von Sicherheit, Frieden und Entwicklung, auf die zuvor bereits beispielhaft verwiesen wurde.
Wie bereits zu Beginn der Ausführungen dargelegt wurde, führten der Sturz der Pahlavi Monarchie im Iran und das Erstarken linksrevolutionärer sowie islamistischer Kräfte dazu, dass Frieden und Stabilität in jenen Regionen, in denen Iran zuvor präsent gewesen war und Einfluss ausgeübt hatte, in hohem Maße komplex, krisenanfällig und von dauerhaften Spannungen sowie Unruhen geprägt waren. Mit fortschreitender Dauer der Islamischen Republik entfernte sich die Perspektive einer Rückkehr zu jenen friedlichen Ordnungsstrukturen zunehmend und erschien schließlich nahezu unmöglich. Die Machtübernahme revolutionärer Akteure, deren ideologische Ausrichtung sowohl im linken als auch im islamistischen Spektrum konfrontativ war und die jeweils expansive, universalistische Zielsetzungen verfolgten, verschärfte die regionalen Spannungen erheblich. Während die eine Strömung unter dem Banner der islamischen Gemeinschaft agierte, berief sich die andere auf die Beseitigung des Kapitalismus und der kapitalistischen Klasse. Beide Visionen waren von einer missionarischen Dynamik geprägt, die über nationale Grenzen hinausreichte. Der nach der Revolution von 1979 ausgebrochene Krieg zwischen Iran und dem Baath Regime demonstrierte, in welchem Ausmaß die zuvor latent vorhandene Konfrontationsbereitschaft in der Region, die durch Iran und die Regierung Pahlavi kontrolliert und eingedämmt worden war, zerstörerisches Potenzial besaß. In diesem achtjährigen blutigen Krieg standen sich auf der einen Seite Saddam Hussein und die Baath Partei mit dem Ziel gegenüber, zumindest den Süden Irans zu besetzen und im weitestgehenden Szenario bis nach Teheran vorzurücken, und auf der anderen Seite die Islamische Republik mit der von Ajatollah Chomeini formulierten Vorstellung, den Weg nach Jerusalem über Karbala zu öffnen, und zwar um den Preis des Lebens von Millionen Menschen. In diesem Kontext existierte keinerlei ernsthafte Friedensbereitschaft. Weder die Konfliktparteien strebten eine Beendigung der Auseinandersetzung an, noch bestand eine wirksame äußere oder innere Kraft, die eine Stabilisierung hätte erzwingen können. Dieser Krieg fügte Iran wie auch der gesamten Region schwerwiegende und langanhaltende Schäden zu.

Die Etablierung der Islamischen Republik und ihrer konfrontativen Ideologien – insbesondere des Antisemitismus – führten über Jahre dazu, dass der Iran sowie seine Existenz und Interessen in der Region erheblichen Herausforderungen und Schäden ausgesetzt waren. Die Islamische Republik unterstützte bewaffnete linksgerichtete und islamistische Gruppen wie die PKK und die Achse des Widerstands, bemühte sich um die Aufrechterhaltung reaktionärer und antipopulärer Regime wie der Regierung von Baschar al-Assad in Syrien und unterließ es, das Aufkommen gefährlicher, reaktionärer Kräfte wie der Taliban in Afghanistan zu verhindern. Diese Politik untergrub sowohl die nationale Sicherheit Irans als auch den Frieden und die Stabilität in der Region und brachte sie an den Rand des Zusammenbruchs. Terroristische Operationen in verschiedenen Staaten, die Schaffung und Förderung bewaffneter Gruppen im Irak, in Afghanistan, Syrien, Palästina sowie das Nichtunterbinden antiiranischer Gruppierungen in sensiblen Gebieten wie den Grenzen zu Pakistan und Irak (Irakisch-Kurdistan) illustrieren deutlich, wie stark Iran und die gesamte Region durch die Handlungen der Islamischen Republik gefährdet wurden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche Strategien und Maßnahmen sind für die Zukunft geeignet?
Die Beantwortung dieser Frage, mit der Perspektive einer Entspannungspolitik und in der Hoffnung auf die Etablierung eines dauerhaften Friedens, muss auf historischen Realitäten beruhen, die die Rolle der Islamischen Republik als zentralen Faktor von Spannungen, Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahrzehnten belegen. Vor diesem Hintergrund stellt der Sturz der Islamischen Republik den ersten notwendigen Schritt dar, um friedensorientierte Konzepte für die Region überhaupt zur Diskussion zu stellen. Alles Weitere kann erst im Anschluss daran entwickelt werden. Mit dem Ende des ideologisch geprägten, spannungserzeugenden und konfrontativen Systems der Islamischen Republik würden zunächst jene Gruppen, die bislang von ihr unterstützt werden, ihre materielle und politische Rückendeckung verlieren, sofern sie überhaupt in substanzieller Form fortbestehen. In der Folge wären sie nicht länger in der Lage, Sicherheit und Ordnung in Staaten und strategisch bedeutsamen Regionen zu destabilisieren. Mit der Etablierung eines national legitimierten Staates in Iran könnte eine Doktrin der nationalen Sicherheit entwickelt werden, die auf Frieden sowie auf der Schaffung und Ausweitung friedlicher Beziehungen gründet. In Kooperation mit den Staaten der Region und insbesondere mit den unmittelbaren Nachbarländern bestünde damit die Möglichkeit, eine nachhaltige Friedensordnung aufzubauen.
Im Hinblick auf Irak, Syrien und die Türkei sollte das strategische Leitmotiv auf multilateraler Kooperation zur Herstellung von Sicherheit, Ordnung sowie innerer und äußerer Stabilität beruhen. Die Förderung von Beständigkeit und Stabilität sowie die Unterstützung der territorialen Integrität junger Staaten wie Irak, die über Jahrzehnte von Krieg und Blutvergießen geprägt waren, oder von Staaten wie Syrien, in denen strukturelle Instabilität wiederholt den Kern grundlegender Konflikte bildete, ist unerlässlich. Sollte es in diesen geopolitischen Räumen nicht gelingen, durch multilaterale Zusammenarbeit, deren Impuls maßgeblich von Iran ausgehen sollte, ein Mindestmaß an Sicherheit und Stabilität zu etablieren, bestünde die Gefahr, erneut in militärische Auseinandersetzungen und erhebliche sicherheitspolitische Kosten verstrickt zu werden. Dies wäre weder mit den Erfordernissen der nationalen Sicherheit Irans noch mit seinen regionalen Interessen vereinbar. Aufgrund seiner geographischen Lage, sowohl im Kaukasus als auch im Nahen Osten und entlang seiner östlichen Grenzen, verfügt Iran über das Potenzial, als stabilisierender und sicherheitsstiftender Akteur zu wirken, wie es bereits während der Herrschaft Mohammad Reza Schahs der Fall war. Im Irak sind unterschiedliche bewaffnete Gruppierungen präsent.

Einige antiiranische separatistische Gruppierungen sind im Gebiet der Autonomen Region Kurdistan im Irak präsent gewesen und haben entweder im Interesse der Islamischen Republik agiert oder sich gegen die staatliche Existenz Irans gerichtet. Ihre Präsenz auf irakischem Territorium hat wiederholt Spannungen zwischen beiden Staaten hervorgerufen, wobei die Islamische Republik ihre Stellungen innerhalb des Iraks militärisch ins Visier genommen hat. Für die Zukunft ist erforderlich, dass ein Iran nach der Islamischen Republik in Kooperation mit der irakischen Regierung und unter gegenseitiger Achtung der jeweiligen territorialen Grenzen diese bewaffneten Gruppen entwaffnet, ihre destruktiven und separatistischen Aktivitäten wirksam eindämmt, vollständig beendet und sie von der iranischen Grenze entfernt. Diese Kräfte haben kontinuierlich zur Unsicherheit entlang der gemeinsamen Grenze beigetragen und durch ihre Handlungen das Eskalationspotenzial zwischen beiden Staaten erheblich gesteigert. Beide Länder sind gehalten, sich aktiv für die Wahrung der territorialen Integrität des jeweils anderen einzusetzen. Sollte die Islamische Republik durch Einflussnahme in der Autonomen Region Kurdistan versucht haben, ihre militärischen Zugangswege im Irak durch die Unterwanderung administrativer und rechtlicher Strukturen zu erleichtern, so muss die strategische Konzeption eines zukünftigen Iran das Gegenteil verfolgen. Darüber hinaus ist der Auflösung radikaler islamistischer Gruppierungen, die in den Diensten der sogenannten Widerstandsachse und der Islamischen Republik standen, wie etwa der Volksmobilisierungskräfte, erhebliche Bedeutung beizumessen.
Auf diese Weise würden Iran und Irak einen wesentlichen Schritt hin zu wirtschaftlicher Kooperation und zur Stabilisierung ihrer gemeinsamen Grenzen unternehmen. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass die Präsenz ethnisch orientierter bewaffneter Gruppen keineswegs ausschließlich für Iran ein Sicherheitsrisiko darstellt. Ihre Verankerung auf irakischem Territorium kann im Falle ethnisch begründeter Spannungen oder militärischer Auseinandersetzungen insbesondere in jenen Regionen Iraks, die eine vergleichbare ethnische Zusammensetzung wie angrenzende Gebiete Irans aufweisen, erhebliche destabilisierende Wirkungen entfalten und sowohl das administrative Gefüge als auch die territoriale Einheit des irakischen Staates beeinträchtigen. Auch innerhalb Irans haben diese Gruppierungen durch die Verschärfung ethnischer Spannungen und sozialer Spaltungslinien maßgeblich zur Beeinträchtigung von Sicherheit und Alltagsstabilität der Bevölkerung in den betroffenen Regionen beigetragen. Syrien bildet von dieser Problemlage keine Ausnahme. Ein Land, das seit Jahren von Krieg und Gewalt gezeichnet ist, bedarf der Anerkennung und Stärkung seiner territorialen Integrität sowie einer staatlichen Ordnung, die die Rechte seiner Bürger achtet. Eine Schwächung oder Fragmentierung der staatlichen Strukturen Syriens oder Iraks, insbesondere der Verlust von Gebieten mit ausgeprägter ethnischer Prägung, kann auch für Iran sicherheitspolitische Risiken bergen. Die Ausweitung solcher Entwicklungen würde die Destabilisierung staatlicher Ordnungen begünstigen und neue Konfliktdynamiken hervorrufen.
Wenn von einer Friedensidee gesprochen wird, ist zu berücksichtigen, dass die Einbindung und Mitwirkung weiterer Staaten wie Saudi-Arabien und Israel von grundlegender Bedeutung sind. Verhandlungen und Kooperation mit dem Ziel, bestehende Differenzen und wechselseitige Vorbehalte zwischen Iran und Syrien abzubauen, werden zweifellos im Zentrum einer friedensorientierten Politik eines künftigen nationalen Staates in Iran stehen. Ein solcher Staat wird, geleitet von seinen eigenen sicherheitspolitischen Interessen, die territoriale Einheit Syriens unterstützen. Saudi-Arabien kommt als einflussreicher Staat der arabischen Welt eine wesentliche Rolle bei der Gewährleistung zu, dass Syrien künftig nicht erneut in eine Phase radikaler Israel-Feindlichkeit abgleitet. Zugleich liegt es im Interesse der arabischen Welt wie auch Israels, von geopolitisch expansiven Zielvorstellungen Abstand zu nehmen und stattdessen auf eine Politik der Entspannung im syrischen Kontext zu setzen. Die Verwirklichung einer solch umfassenden Konzeption von Frieden und Sicherheit ist nach dieser Argumentation untrennbar mit Iran und der Etablierung eines national legitimierten Staates in seiner zukünftigen politischen Ordnung verbunden. Ein Fortbestehen von Spannungen sowie das Ausbleiben einer konstruktiven Konfliktlösung würden hingegen Krieg, Instabilität sowie das Ausbleiben von Entwicklung und Fortschritt bedeuten, was keinem der genannten Staaten zugutekäme. Ein zukünftiger nationaler Staat Iran würde im Gegensatz zur Islamischen Republik, deren Politik primär auf die Ausweitung von Einfluss durch militärische Präsenz ausgerichtet war, dem erklärten Friedenswillen der iranischen Bevölkerung folgend eine breit angelegte wirtschaftliche und sicherheitspolitische Entwicklungsagenda verfolgen, die auf Kooperation, vertraglich geregelter Partnerschaft und friedlicher Koexistenz basiert. Darüber hinaus würde er andere Staaten dazu anhalten, sich solchen friedensorientierten Initiativen anzuschließen und diese aktiv zu unterstützen.
Im östlichen Grenzraum zu Pakistan gebieten es die strategischen Interessen Irans, die Problematik terroristischer Gruppierungen wirksam zu beseitigen. Wo immer bewaffnete islamistische Akteure oder Vertreter ethnisch reaktionärer Ideologien operieren, geraten Entwicklung, Sicherheit und menschenwürdige Lebensbedingungen in Gefahr. Die aktive Präsenz solcher Gruppierungen unterminiert die Grenzsicherheit sowohl Irans als auch Pakistans. Ihre Auflösung ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass Iran ohne anhaltende Spannungen eine konstruktive Zusammenarbeit mit seinen östlichen Nachbarstaaten gestalten kann. Die an der pakistanischen Grenze operierenden terroristischen Gruppierungen haben wiederholt das Leben von Soldaten beider Seiten gefordert und zahlreiche weitere gefährdet. Das vorrangige Argument für eine konsequente Bekämpfung des Terrorismus liegt somit in der elementaren Verpflichtung zum Schutz menschlichen Lebens.
In einem zweiten Schritt ist zu berücksichtigen, dass die fortbestehende Präsenz terroristischer Strukturen in dieser Region, insbesondere in jenen Gebieten, in denen sich bedeutende Hafenanlagen Irans und Pakistans befinden, die land- und seegestützten Handelskooperationen im Arabischen Meer und im Persischen Golf erheblich gefährdet. Auch im Kaukasus kann Iran seinen legitimen Anteil und seine Rolle im Kontext von Stabilität und Sicherheitsgewährleistung wahrnehmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine klare Zurückweisung expansiver panturkistischer Ideologien sowie deren wirksame Eindämmung. Aus der Perspektive des Verfassers ist jede Form von Spannung und Radikalismus, sei er religiöser, ethnischer oder nationalistischer Natur, geeignet, entwicklungsorientierte Programme grundlegend zu unterminieren. Solange in diesen geopolitisch sensiblen und strategisch bedeutsamen Räumen Instabilität, Unruhen und kriegerische Auseinandersetzungen vorherrschen, werden wirtschaftliche, soziale und humane Potenziale systematisch verspielt. Ohne Sicherheit sind die Staaten der Region weder in der Lage, verlässliche Handels-, Wirtschafts- und Investitionsprojekte zu realisieren, noch können sie unter den Bedingungen andauernder Konflikte nachhaltige Entwicklungsprozesse initiieren. Abschließend ist ein weiterer zentraler Aspekt hervorzuheben: Ein zukünftiges Iran würde in der Region auch als Akteur zur Überwindung von Israel-Feindlichkeit und Antisemitismus wirken. Israel verfügt über vielfältige Potenziale, sowohl zur Förderung des Friedens als auch zur Unterstützung von Entwicklungsprozessen in den betreffenden Regionen beizutragen, wie sich unter anderem im syrischen Kontext gezeigt hat. Die Realisierung eines solchen Konzepts hängt in erster Linie von Iran selbst ab. Solange die nationale Sicherheit Irans nicht gewährleistet ist, das heißt solange die Islamische Republik fortbesteht, werden friedensorientierte Initiativen ohne nachhaltige Wirkung bleiben, wie es sich auch bei den Abraham Abkommen gezeigt hat, die in unterschiedlichen zeitlichen und regionalen Konstellationen fragil erschienen sind.
Eine vergleichbare Zielsetzung findet sich in den Überlegungen von Kronprinz Reza Pahlavi mit seinem Konzept eines sogenannten Cyrus Abkommens. Das zukünftige Iran beabsichtigt, als Förderer von Stabilität, Entwicklung und gegenseitigem Respekt aufzutreten, um eine dauerhafte Sicherheitsordnung zu ermöglichen, wie sie nach dieser Darstellung während der Regierungszeit Mohammad Reza Schahs zu beobachten war. Von dieser Sicherheitsordnung profitierten nicht nur die Staaten der Region, sondern auch weiter entfernte Akteure wie europäische Länder und die Vereinigten Staaten. Die in einem solchen Friedensrahmen liegenden wirtschaftlichen und sozialen Potenziale sind beträchtlich und könnten im Falle ihrer Verwirklichung zu einem umfassenden Nutzen für alle Beteiligten führen. Die nationale Sicherheit eines zukünftigen Iran würde demnach zugleich eine nachhaltige Sicherheit für die gesamte Region bedeuten.
„Ohne die Existenz der Islamischen Republik werden wir zweifellos eine bessere Welt haben.“










